Woher kommt Zen?

Zen hat seine Wurzeln im Gebiet des heutigen Nepal. Hier lebte Buddha, hier fand er seine Schüler, hier hat er seine Lehre weitergegeben.

Von der Heimat Buddhas aus strahlt Zen weiter nach Indien und China. Um die Jahrtausendwende kommt es nach Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangt es schließlich auch in den Westen, insbesondere nach Europa und in die USA.

Im deutschsprachigen Raum sind es vor allem Pater Enomiya-Lasalle (1898-1990), Graf Dürckheim (1896-1988) und Pater Willigis Jäger (www.west-oestliche-weisheit.de), die die Übung des Zen weitergeben.

 

Was ist Zen-Buddhismus?

Zen-Buddhismus ist ein vielschichtiges Gebilde mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen in der jeweiligen Volksreligion mit ihren Ritualen, Bräuchen und heiligen Texten. Dabei ist es wichtig zu sehen, dass der Buddhismus in Tibet ganz anders gelebt wird als in China oder beispielsweise auf Bali oder in Japan.

Im Zen gibt es keine Gottesvorstellung, keine Gottheit, die verehrt werden kann. Zen sucht die unmittelbare Erfahrung und Begegnung mit der „Wesensnatur“, die weder beschreibbar noch benennbar ist – und die dennoch erfahren werden kann.

Es geht ausschließlich um das eigene, unmittelbare Erleben, weswegen es  auch keine Heiligen gibt, die irgendetwas ausrichten oder zu etwas verhelfen könnten. So ist auch Buddha kein Heiliger! Er wie auch die anderen großen Patriarchen werden als Lehrer verstanden, die andere Menschen auf einem mystischen Weg in eine Seinserfahrung begleiten. Als solche werden sie hoch angesehen, geschätzt und verehrt. Sie werden jedoch nicht angebetet, wie dies im Abendland  im Zusammenhang mit der Verehrung von Heiligen geschieht.

Dennoch gibt es im volksreligiösen Brauchtum des Buddhismus eine bunte Vielfalt von Bräuchen und Ritualen – ähnlich wie in der christlichen Tradition auch. Diese haben aber nichts mit dem mystischen Übungsweg des Zen zutun.

 

Zen/Zazen

 Was wir  im Westen mit Zen meinen, bedarf der Präzisierung. Was wir hier praktizieren ist der Übungsweg des Zen, das Zazen. Übersetzt heißt dies: sitzendes Zen.

Zazen ist der mystische Weg des Buddhismus. Es ist eine praktische Übung, auf den sich Menschen einlassen, um durch eigenes Erfahren  Antworten  auf die zentralen Lebensfragen zu finden:  Woher komme ich?  Was trägt mein Leben?  und Wohin gehe ich?

Ich komme aus und bin in einem Seinsgrund, den ein Zen-Meister einmal so beschrieben hat: „Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht. Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen. Augen können sie nicht sehen. Lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren. Sie Geist oder Buddha zu nennen, entspricht nicht ihrer Natur…..“

Zazen kennt keine „Gottesvorstellung“ im gängigen Sinne (wie auch in der christlichen Tradition von den Kirchenvätern des 3. und 4. Jahrhunderts deutlich gemacht wird: „Ein Gott der ist, ist nicht.“). Auch Heilige und Priester gibt es nicht, genauso wenig wie einen „Kultus“,  Vorstellungen von „Himmel“ oder  Reinkarnation. Ja, im Grunde ist Zen bzw. Zazen religionslos. Es ist ein reiner Übungsweg wie beispielsweise das Bogenschießen.

Als Übungsweg hat sich das Zazen mit verschiedenen religiösen Traditionen verbinden können. Dies ist möglich, da im Zen im Sinne einer Dogmatik an nichts geglaubt werden muss. Vielmehr macht der Mensch selbst Erfahrungen mit jener Wirklichkeit, die „vor Himmel und Erde steht“ und versucht, diese in sein Leben, seinen Alltag zu integrieren und dies frei und ohne jegliche „Glaubensvorgaben“.

 

Zen im Westen

Zen kam nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen. Durch die in der Zen-Übung gemachten Erfahrungen entdecken viele Menschen unsere abendländische Mystik wieder. Dies ist möglich, weil die christliche Mystik im Grunde nichts anderes als die Lehre des Zen vermitteln will. Um nur wenige Beispiele aus der Fülle der christlich-mystischen Tradition zu nennen: „Die erste Ursache, die Ursache von allem, ist weder Sein noch Leben….Die erste Ursache ist auch nicht Begriff oder Vernunft…..“ (Dionysius Areopagita, um 500); „Du, der Über-Alles, welchen Namen soll ich Dir geben?“ (so fragt Gregor v. Nazianz 329-390); „… und hier stand ich ledig von Gott und von allen Dingen. Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache; denn mein wesentliches Sein ist oberhalb von Gott.“ (Meister Eckehart 1260-1329, Predigt 32).

Es gibt heutzutage immer mehr Menschen, die mit den Dogmen und Ritualen der christlichen Kirchen nichts mehr anfangen können, Menschen, die Suchende sind und die in der Mystik ihren Weg finden.

Die christliche  Mystik hat uns eine große Menge an Schriften überliefert, leider aber keine Beschreibung eines Übungsweges, der  war wohl in früheren Zeiten streng ans klösterliche Leben gebunden (mit Ausnahme der Beginenbewegung im Mittelalter) und unterlag der Arkandisziplin. Darum haben wir in der praktischen Ausgestaltung unseres mystischen Weges den über Jahrtausende erprobten und ausdifferenzierten Übungsweg des Zazen, des Sitzens in der Stille, übernommen.

Mit der Gründung der Zen-Linie „Leere Wolke Zen-Linie Willigis Jäger“ versucht Willigs Jäger mit seinen Schülern und Lehrern und Meistern, einen spirituellen Weg zu gehen, der das Anliegen der Mystik aufnimmt, ohne dies an eine Religion oder Konfession zu binden. Man muss kein Buddhist werden - ja, man braucht nicht einmal einer Religion anzugehören, wenn man Zazen übt und auf diesem Weg tiefe Erfahrungen macht.

 

 

 

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